... und so urteilen die Ausstellungsbesucher!

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Artikel aus Ostsee Anzeiger vom 10.04.2019

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Laudatio von Frau Dr. Imke Lüders



WHO IS WHO?

Zwei Zeitgenossen im künstlerischen Gleichklang

Begrüßung
Wenn Sie im Internet nach Landschaftsaquarellen googeln, werden Sie nur wenige ähnliche Bilder wie in dieser Ausstellung finden. Die Gemeinsamkeiten im Oeuvre von Karl Christian Klasen und Ernst von Domarus sind zufällig. Und ich, als jahrelange Kuratorin für beide Kunstsammlungen (Domarus seit 2009, Klasen seit 2011), habe das Glück, sozusagen auf diese beiden Pinsel im großen Malerhaufen gestoßen zu sein.

Zunächst danke ich der Karl Christian Klasen Gesellschaft für ihr Vertrauen, dieses Experiment einer vergleichenden Ausstellung zu realisieren.

Und die Realisierung würde ohne Leute, die Hand anlegen nicht gut funktionieren: Ausdrücklich möchte ich dem Hängeteam und HelferInnen im Hintergrund danken: Christel Winter und Günther Meienberg, sowie Gaby Köpnick und Sabine Brauer. Herzlichen Dank für die Unterstützung!

Der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, als Eigentümerin des sog. „Domarus-Archiv – Schenkung Irmingard und Edwin Theune“, danke ich ebenfalls für dieses Vertrauen und für die Leihgabe der Bilder aus ihrer Sammlung.

Der Flyer zur Ausstellung wurde aus Mitteln des Domarus-Archivs erstellt und seitens der Sparkassenstiftung in Schleswig-Holstein und darüber hinaus versendet, so dass diese Ausstellung weithin bekannt sein sollte.

Dr. Bernd Brandes-Druba, Geschäftsführer der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, hat heute leider in Berlin zu tun und kann der Eröffnung nicht beiwohnen. Er lässt durch mich aber seine Grüße und gute Wünsche ausrichten.

Ebenfalls danke ich der Stiftung Mecklenburg sowie den Privateigentümern, dass wir ihre Bilder als Reproduktionen hier zeigen dürfen.

Zu den Reproduktionen möchte ich darüber hinaus anmerken, dass sie die Originale schonen, denn die Lichtverhältnisse in diesen Räumen sind langfristig zu hell, so dass die Bilder, insbesondere Aquarelle und Druckgrafik, Schaden nehmen können, indem sie ausbleichen.

Kleiner Tipp: Sollten Sie selbst originale Aquarelle oder Druckgrafik besitzen, hängen Sie sie bitte nicht in das direkte Sonnenlicht, sondern möglichst an Wände, die immer im Schatten liegen!

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© 2019 Dr. Imke Lüders, Kiel



Zwei Zeitgenossen
Zu Beider Lebenslauf gäbe es viel zu erzählen, jedoch möchte ich mich auf ein paar wesentliche Dinge konzentrieren. Im Ausstellungsflyer stehen ein paar biografische Daten, in den drei Katalogen über Domarus können Sie ihn ausgiebiger kennenlernen. Die Kataloge werden hier im Museumsshop gegen eine Schutzgebühr verkauft – der Erlös geht an die Klasen Gesellschaft.

Geburt

Ernst von Domarus ist der ältere der beiden Künstler, er wurde am 14. März 1900 in Bütow

in Pommern als 11. Kind eines Schneidermeisters geboren.

Karl Christin Klasen war elf Jahre jünger, er wurde am 19. November 1911 in Güstrow als

Sohn eines Holzkaufmanns und Sägereibesitzers geboren.

Beide Künstler kommen also aus Familien, die mehr oder weniger handwerklich ihr Geld

verdienten.

Handwerkliche Ausbildung
Ernst von Domarus begann nach Abschluss der Volksschule als 14jähiger zunächst eine Dekorationsmalerlehre, musste dann aber kriegsbedingt 1914 beim Vater eine Schneiderlehre antreten, die er 1917 als Geselle abschloss. Er zog als Infanterist anschließend in den 1. Weltkrieg und kam dann 1919 zurück in den väterlichen Betrieb. 1922 musste Domarus sehen, wo er abblieb und sein Geld verdiente, als sein Vater aus Altergründen den Betrieb aufgab und nach Potsdam zog.

Ähnlich erging es Karl Christian Klasen. Er musste 1931, infolge des Freitods seines Vaters, vorzeitig die Schulzeit am Realgymnasium abbrechen und begann als 20jähriger eine zweijährige Tischlerlehre in Bützow.

Sie merken schon: Ich kürze hier sehr ab ... und es gibt einige Parallelen ...

Schule - Zeichenunterricht
Klasen das Glück, schon in seiner Schulzeit durch seinen Zeichenlehrer Friedrich Schult etwa 10 Jahre lang gefördert bzw. geschult worden zu sein. Schult war ein guter Freund Ernst Barlachs, pflegte später auch dessen Nachlass und war in der Kunstwelt gut vernetzt.

Domarus konnte hingegen lediglich mit guten Noten im Zeichenunterricht aufwarten.

Künstlerische Ausbildung
Domarus versuchte als 20jähriger mehr oder weniger erfolglos, in den Wirren nach dem Ersten Weltkrieg, eine künstlerische Ausbildung zu erhalten. An der Hochschule für Bildende Künste in Berlin wurde er nicht angenommen. Bei dem Liederbuch-Illustrator Hermann Pfeiffer konnte er in der Nähe von Darmstadt unter Anleitung zwar für kurze Zeit einiges lernen, jedoch musste Pfeiffer aufgrund der Weltwirtschaftskrise, Anfang der 1920er Jahre, Domarus schweren Herzens kündigen. So ging er wieder in die Schneiderei, arbeitete in Spandau als Werkstattleiter in einer Textilfabrik für Wanderbekleidung und machte dort auch seinen Meisterbrief. Ende der 1920er Jahre setzte er eine pädagogische Ausbildung

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© 2019 Dr. Imke Lüders, Kiel



zum Gewerbelehrer obendrauf. Er hatte sein Ziel, Künstler zu werden, mit Mitte Zwanzig wohl aufgegeben, hatte sich damit abgefunden als Autodidakt nur noch nebenberuflich künstlerisch tätig zu sein.

Klasen hingegen hatte tatsächlich eine künstlerische Ausbildung vor sich und zog sich zunächst als Künstler auf die Insel Poel zurück. Mit Mitte Zwanzig erhielt er 1935 das Boldtsche Stipendium, wodurch ihm ein Studium an den Kunstakademien in Düsseldorf (1935/36) und Berlin (1938) ermöglicht wurde.

Nationalsozialismus und die Kunst
Durch den Nationalsozialismus und später im Krieg waren beide Künstler in ihrer Entfaltung stark eingeschränkt. Ihre Malweise blieb weitgehend realistisch. Ihre Grundlagen kamen aus der klassischen Landschaftsmalerei, wie sie in den Gemäldegalerien Kunstmuseen zu sehen waren, wozu auch die Romantiker und Realisten des 18. und 19. Jahrhunderts gehörten.

Es sind aber durchaus auch moderne Anklänge des Impressionismus, Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit in ihren Bildern erkennbar. Wie Domarus während dieser Zeit arbeitete, wissen wir nicht genau, es ist aber davon auszugehen, dass er die vom Regime abgelehnten, modernen Strömungen der Kunst erst später experimentell vertiefte. Als Künstler spielte er nur eine untergeordnete Rolle.

Klasen hingegen musste vorsichtig sein und die modernen Strömungen in seinen Bildern, zumindest bei Ausstellungen, zurückhaltend zulassen, wenn er weiterhin im Deutschen Reich erfolgreich sein wollte. Er hatte gute Berater aus der Kunstszene, wie den Schult- und Barlachkreis. Durch die Presse sowie persönlich wird er zur Distanz gemahnt worden sein.

Auszeichnungen und Ausstellungen
1938 erhielt Klasen den Malerpreis der Stiftung zur Förderung niederdeutschen Kunstschaffens in Rostock, 1939 wurde ihm der John-Brinckmann-Preis verliehen, 1942 der Veit Stoss-Preis in Krakau. Daneben hatte er Ausstellungen in Wismar, Rostock, Köln, München oder Danzig. Künstlerisch war Karl Christian Klasen auf Erfolgskurs.

Die frühen Ausstellungen von Ernst von Domarus waren hingegen weniger repräsentativ. Ihm fehlten Geld und Reputation. So stellte er oft im Rahmen von Wandervogeltreffen und Ähnlichem aus, zumindest ist sonst nichts bekannt.

Erst später, nach dem Krieg, erhielt er 1953 den Kunstpreis des Kasseler Kunstvereins, der ihn auch über Jahre häufiger ausstellte. Ferner widmete ihm die Parlamentarische Gesellschaft in Bonn eine Ausstellung, das Kurhotel Pyrmont sowie eine Galerie in Pont-Aven in der Bretagne. Nach seinem Tod organisierten seine Tochter Irmingard mit ihrem Mann Edwin Theune rund 20 Ausstellungen im In- und Ausland. Seit 2009 ist der künstlerische Nachlass im Eigentum der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein.

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© 2019 Dr. Imke Lüders, Kiel



Der Zweite Weltkrieg

Karl Christian Klasen wurde 1939 zum Landesschützenbattaillon Schwerin eingezogen und

1941 in Spala, südwestlich von Warschau, eingesetzt. Immerhin erhielt er dort genügend

Gelegenheiten zum Malen. 1943 wurde er nach acht Monaten Lazarettaufenthalt als

„Versehrter“ nach Poel beurlaubt.

Es war sein letzter Besuch auf der Insel, bevor er 1944 an der Ostfront kämpfte und 1945 bei

Königsberg fiel.

Domarus war während des Zweiten Weltkrieges als Lastensegler in Russland und Jugoslawien eingesetzt. Seine zweite Frau war währenddessen mit den drei Kindern und der gesamten Kunst 1942 – letztlich unnötig - aus Kassel geflohen. Das Frühwerk von Domarus ging bei der Vertreibung der Familie aus Stolp in Pommern verloren. Es sind deswegen nur sehr wenige Bilder aus der Vorkriegszeit erhalten. Domarus überlebte den Krieg und ging nach der Entnazifizierung, während der er sich mit der Malerei über Wasser hielt, in den Schuldienst nach Kassel zurück. 1965 ging er in den Ruhestand und malte fast bis zum letzten Tag – ihn raffte 1977 der Krebs dahin.

Abschiede
Wie Ernst von Domarus, hatte auch Klasen mit Ende 20 geheiratet und eine Familie zu ernähren. Nach fünf Jahren Ehe fiel der Künstler Karl Christian Klasen dem Krieg zum Opfer – doch auch die erste Frau von Ernst von Domarus, Elisabeth Zietz aus Lunden in Dithmarschen, starb nach rund fünf Jahren Ehe. So gibt es hier eine weitere – wenn auch unschöne – schicksalshafte Übereinstimmung.

Verbundenheit mit der Natur
Klasen und Domarus wanderten in jungen Jahren durch die Natur und nahmen sie sehr intensiv wahr – anders als die heutige Jugend, die mit dem Smartphone durch die Gegend läuft und wahrscheinlich die Landschaft um sie herum kaum wahrnimmt.

Domarus war begeisterter Anhänger der Wandervogelbewegung, mehrere Tausend Kilometer hat er zu Fuß zurückgelegt. Später bereiste er Länder in ganz Europa;
Klasen wanderte ebenfalls viel, aber weniger organisiert. Beide gingen mit offenen Augen durchs Leben – auch wenn das des Einen kürzer war als das des Anderen.

Vorbilder
Domarus Vorbilder waren nach eigener Aussage der Romantiker Caspar David Friedrich sowie die Realisten Hans Thoma und Wilhelm Leibl, wobei Letzterer vor allem für seine Portraits bekannt ist, die nicht Domarus‘ Stärke waren, sie lassen sich mit jenen von Klasen nicht vergleichen. Der Landschaftsmalerei blieb Domarus auch in der Nachkriegszeit mit weitgehend realistischen Naturdarstellung verbunden. Darüber hinaus hat er, insbesondere in den 1970er Jahren, auch abstrakt und ungegenständlich gearbeitet.

Werk

Wie gesagt, sind aus der Vorkriegszeit nur wenige Bilder von Domraus erhalten. Es gibt

zahlreiche Privateigentümer, auch Sammler von seinen Bildern. Einen Teil bewahrt noch die

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© 2019 Dr. Imke Lüders, Kiel



Tochter Irmingard, der Großteil wurde über einen 10jährigen Aufenthalt im Lager einer Stiftung, 2009 an die Sparkassenstiftung übergeben, damit sie das Erbe Domarus‘ in Erinnerung hält und durch Ausstellungen und Publikationen bekannter macht. In diesem Zuge sind auch die drei Kataloge zu entsprechenden Ausstellungen entstanden.

Nach dem plötzlichen Tod Klasens kümmerte sich seine Witwe, die Tänzerin und Choreografin Rita Bütow-Klasen (Schon wieder ein Berührungspunkt!) um den künstlerischen Nachlass. Sie konnte einige Werke an die Stiftung Mecklenburg geben, andere wurden privat verkauft. So gibt es - auch aus der Zeit vor dem Tod Klasens - Bilder in Museumsbeständen und Privatbesitz. Die Klasen-Gesellschaft ist bemüht, alle Eigentümer ausfindig zu machen, und so tauchen auch heute noch unbekannte Werke auf.

Fazit
Insgesamt sprechen die hier gegenüber gestellten Arbeiten eine ähnliche Bildsprache. Wenn die Domarus-Bilder auch oft farbkräftiger und größer sind, so liegt das einerseits an den materiellen Möglichkeiten der Zeit nach dem Krieg sowie an der Unbekümmertheit, mit der er – ohne politische Zensur – malen durfte. Er experimentierte mit allen möglichen Ausdrucksformen und Techniken.

Umso erstaunlicher finde ich, dass beide – Klasen und Domarus - sich in der Landschaft und einiger Druckgrafik wiederfinden, obwohl die Arbeiten von Domarus teilweise sogar aus der Mitte der 1970er Jahre stammen. Auch die Gegenden, in denen sie malten, waren völlig unterschiedlich.

Aus dem Nachlass von Domarus ist nicht ersichtlich, dass Domarus Klasen kannte oder umgekehrt. Am Ende meines Vortrags angelangt, möchte ich jedoch nicht mehr ausschließen, dass Domarus vielleicht doch eine oder mehrere der Klasen-Ausstellungen gesehen hat oder ihn durch die Medien kannte. Er reiste immer viel und war sehr interessiert, insbesondere auch für seine pommersche Heimat, von der Mecklenburg nicht weit entfernt war.

Andernfalls können diese frappierenden Ähnlichkeiten ihrer Bilder nur für zwei gleiche Seelen sprechen, deren Sehgewohnheiten in der Kunst zwischen dem Traditionellen lagen und die die modernen Strömungen in ihren Landschaften maßvoll zuließen.

Hätten wir gleiche Rahmen für diese Ausstellung gewählt, würden wir Sie vermutlich in echte Schwierigkeiten bringen ;-)

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© 2019 Dr. Imke Lüders, Kiel

Artikel aus OZ vom 03.04.2019

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Einladung zur Vernissage am 6.4.2019

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Plakat zur aktuellen Ausstellung 2019

WHO IS WHO? Zwei Zeitgenossen im künstlerischen Einklang
Karl Christian Klasen (1911-1945) und Ernst von Domarus (1900 – 1977)

Die Ausstellung im Inselmuseum Kirchdorf/Poel zeigt ab dem 6. April 2019 ausgewählte Werke der beiden Maler Ernst von Domarus und Karl Christian Klasen im direkten Vergleich. Die beiden Künstler kannten einander nicht, lebten an ver­schiedenen Orten, wurden unterschiedlich alt und haben doch so viele Gemeinsamkeiten. Sie bevorzugten das Aquarell und die Landschaft.

Unsere Kuratorin Dr. Imke Lüders betreut beide voneinander un­abhängigen Sammlungen seit Jahren. Eine Gegenüberstellung der beiden Zeitgenossen ist spannend, da beide Maler ähnliche Vorbilder und Bildfindungen haben.



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